Bruckhaufen, 1210 Wien
Die Zigeuner waren ein Segen für den Bruckhaufen, die sorgten für Ordnung (...) Die gehören zum Bruckhaufen einfach dazu. Ohne sie wäre er nicht das, was er heute ist.
Aussage eines Bruckhaufeners
Der Bruckhaufen an der Alten Donau im heutigen 21. Wiener Gemeindebezirk war bis zum Holocaust traditionelles Siedlungsgebiet vieler Roma/Romnia und Sinti/Sintizzi. Manche einst fahrende Familien ließen sich hier in der Zwischenkriegszeit nieder und allmählich wurden aus den Wohnwägen feste Behausungen aus Holz und Stein. Auch fanden Familien, die von anderswo vertrieben wurden, hier Zuflucht.
In der Volkszählung von 1934 gaben 190 Personen an „ZigeunerInnen“ zu sein, vermutlich wohnten jedoch weitaus mehr Roma/Romnia und Sinti/Sintizzi am Bruckhaufen - deklarierten sich jedoch aus Angst vor Diskriminierung nicht als „ZigeunerInnen“. (Mayerhofer 1990)
Der Großteil der Roma- und Sinti-Bevölkerung am Bruckhaufen wurde im Holocaust ermordet. Eine Zeitzeugin erinnert sich an ihre MitschülerInnen und NachbarInnen, die über Nacht verschwanden. Nur wenige kehrten nach Kriegsende aus den Konzentrationslagern zurück und ließen sich wieder am Bruckhaufen nieder.

