Ringelseeplatz

"Im August 1962 kam ich nach Wien. Auf dem Südbahnhof stieg ich aus dem Zug und fuhr mit einem Taxi nach Floridsdorf auf den Ringelseeplatz. (...) Durch eine enge Seitenstraße kamen wir auf den Ringelseeplatz, wo heute das Floridsdorfer Bad steht. Damals war dort in unmittelbarer Nähe der Fußballplatz Donaufeld. (...) Auf dem Ringelseeplatz befanden sich mehrere Wohnwagen, und in jedem Wagen wohnten Leute mit ihren Familien. Der erste Wohnwagen beim Eingagn war der von meinem Schwager Vanja. Auf der rechten Seite, nicht einmal fünf Meter entfernt, war ein kleiner Wohnwagen und da wohnte ein alleinstehender Mann, ein Rom aus Ungarn (...). Etwa zehn bis fünfzehn Meter weiter war ein größerer Wohnwagen, da wohnte wieder eine Familie aus Ungarn und die waren auch Roma (...). Dann waren noch mehrere Familien, sogenannte Jenische, Romungri, die nicht die Zigeunersprache Romanes konnten, aber immer mit Roma zusammen waren."

NIKOLIĆ, Mišo: ... und dann zogen wir weiter. Lebenslinien einer Romafamilie. Drava: Klagenfurt/Celovec 1997. S. 116-117.

Der Ringelseeplatz diente in den Nachkriegsjahren einigen Holocaustüberlebenden und deren Familien als Wohnplatz. In den 50er Jahren zogen weitere Familien u.a. aus dem damaligen Jugoslawien aber auch Flüchtlinge aus Ungarn, die im Zuge des Aufstandes 1956 das Land verlassen mussten, hinzu. So auch die Familie der berühmten Sängerin Ruzsa Nikolić-Lakatos, die damals als kleines Mädchen auf den Ringelseeplatz kam.

 

Einige Familienmitglieder der Familien Nikolić und Lakatos, die Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre am Ringelseeplatz wohnten

Ringelseeplatz
Foto: Mozes Heinschink