Steiermark - ein kurzer geschichtlicher Abriss
„In einem Bezirk werden nämlich Zigeuner angehalten, vom Gericht bestraft und verschoben, um dann wieder im anderen Bezirk der gleichen Prozedur unterworfen zu sein. Wie das Wild werden die Zigeuner von einem Bezirke in den anderen getrieben, von einem Arreste wandern sie in den anderen und wenn man sich die Frage vorlegt, ob hierdurch der Calamität endlich gründlich abgeholfen werden wird, so muß man diese Frage mit einem ’Nein’ beantworten.“
Statth. Fasc. 41-1352/888, Akt 8697/892. Zitiert nach Haslinger. Rom heißt Mensch, S. 44.
Mag man vielleicht aus dieser Formulierung der steirischen Bezirkshauptmannschaft Luttenberg (Ljutomer, Slowenien) von 1892 noch etwas Verständnis für das Leid der Roma/Romnia herauszulesen zu versuchen, so forderte sie jedoch im weiteren Schreiben keine humanitäre und für beide Seiten vorteilhafte Lösung des „Problems“, sondern tritt für eine Inhaftierung aller „Zigeuner“ in Arbeitshäuser ein. (RIEGER 2003)
Dieses Zitat zeigt auf sehr treffende Weise den Umgang staatlicher Behörden mit Roma/Romnia auf. Man war stets darauf bedacht, sie „loszuwerden“. Der Erlass diverser Gesetze, wie dem Schubgesetz (1871), dem Vagabundagegesetz (1873, 1885) und der Zigeunererlass von 1888, bot den Rahmen für gesetzliche Handhabungen. (RIEGER 2003)
Das bis 1921 an die Steiermark angrenzende Ungarn (das heutige Burgenland war damals ein Teil von Ungarn und wurde erst 1921 an Österreich angegliedert) wurde oft als Herkunftsort „des Zigeunerunwesens“ angesehen, weshalb man bemüht war, den Roma/Romnia den Grenzübertritt zu unterbinden.
1863 legten mehrere steirische Gemeinden dem Landtag eine Petition vor, in der sie die Wanderungen der Roma/Romnia als extrem negativ und schädlich für die Landbevölkerung beschrieben. Sie forderten daher keine Reisepapiere an „ZigeunerInnen“ auszustellen, bzw. ihnen den Grenzübertritt zu verbieten – diese Forderung blieb bis in die Zwischenkriegszeit bestehen. (TANDL: 20-21)
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland 1938 erfolgte eine Umstrukturierung, im Zuge derer die Steiermark mit dem südlichen Burgenland zum Gau Steiermark zusammengelegt wurde. Mit dem Machtantritt der NationalsozialistInnen setzte auch die Verfolgung (wobei jedoch "Vorarbeiten" die diese sofort nach dem "Anschluss" ermöglichten, bereits in der 1. Republik geleistet wurden) und Ermordung der Roma/Romnia und Sinti/Sintizzi im Gau Steiermark ein. Unter dem Vorwand, es handle sich um „Asoziale“, wurden Roma/Romnia und Sinti/Sintizzi bereits im März 1938 in Konzentrationslager verschleppt. Auch in der Steiermark, v.a. in den obersteirischen Industriegebieten, wurden Sammel- und Zwangsarbeiterlager für „ZigeunerInnen“ eingerichtet, aus denen die Häftlinge weiter in die Vernichtungslager deportiert wurden. Nur sehr wenige überlebten die Vernichtungsmaschinerie der NationalsozialistInnen. (TEICHMANN, URBANER)
Für weiterführende Informationen zur Geschichte der Roma in der Steiermark siehe Bibliographie.

