Roma-Wallfahrer in Sveta Trojica (Hl. Dreifaltigkeit)

Wallfahrtskirche Sveta Trojica v Slov. Goricah
Die Wallfahrtskirche Sveta Trojica v Slov. Goricah (Foto: Dekanija Lenart)

„Ein weiterer Treffpunkt schien der Wallfahrtsort Hl. Dreifaltigkeit, in der Nähe des heutigen St. Lenart in Jugoslawien, gewesen zu sein. Diesen Wallfahrtsort bereisten vor allem ungarische Roma (Anm.: gemeint sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Burgenland-Roma, da das Burgenland zum damaligen Zeitpunkt noch ein Teil Ungarns war) und solche aus Pettau.

Dass es sich bei Hl. Dreifaltigkeit um einen äußerst beliebten Treffpunkt der Roma gehandelt haben muss, war an den erschreckten Reaktionen der Behörden bzw. an den geschätzten Zahlenangaben der Gendarmerie abzulesen. So zählte der Posten Marburg im Jahr 1902 nur mehr 30 bis 40 Roma, während in den Jahren zuvor bis zu hundert an der Wallfahrt teilgenommen hatten. Diese hohe Zahl beunruhigte die Sicherheitsbehörden, Vorschläge zur Vermeidung dieses 'Unwesens' wurden eingebracht. (…)

Im Wallfahrtsort selber wurden die Roma jedoch überwacht bzw. Patrouillen in die Richtung der ankommenden und abziehenden Wallfahrer entsendet. Obwohl kein einziger Diebstahl im Wallfahrtsort und in der näheren Umgebung bekanntgegeben wurde, hielt es die Gendarmerie dennoch für angebracht, obige Vorsichtsmaßnahmen vorbeugend durchzuführen. Die Gründe für den Anschluss der Roma an die Wallfahrt nach Hl. Dreifaltigkeit sah der Posten Marburg nicht darin, 'ein religiöses Bedürfnis zu stillen'. Vielmehr stellte die Wallfahrt für die Roma ein 'Vergnügen' dar, 'einer althergebrachten Sitte und Gewohnheit gerecht zu werden und mit Verwandten und Bekannten zusammenzutreffen'. Der Posten Leibnitz vertrat entgegen allen Tatsachen die Ansicht, dass die Roma 'nur des Stehlens (wegen) … die Grenze überschreiten'.“

(Haslinger: Rom heißt Mensch, S. 145)

In dieselbe Kerbe schlug auch der Bezirkshauptmann von Radkersburg, der in einem Schreiben das Statthalterei-Präsidium in Graz von zehn Roma-Wallfahrerinnen unterrichtete:

„Wie jedes Jahr so benutzten auch heuer etwa 10 Zigeunerweiber die Gelegenheit sich den Wallfahrern aus Ungarn nach Dreifaltigkeit im Marburger Bezirke anzuschließen und passirten (sic!) heute um ½ 6 Uhr durch Radkersburg. Nach hierortigen Erfahrungen kehren dieselben meistens mit den Prozessionen nicht mehr zurück und benützen diese Gelegenheit dazu in Steiermark sich zu orientiren. Gewöhnlich folgen ihnen später die Männer und es erfolgen dann Einbrüche dort und da. Ich habe mir daher erlaubt die kk. Bezirkshauptmannschaften Marburg und Luttenberg von diesem Vorkomniß (sic!) telegraphisch zu verständigen. Ich glaube jedoch in einem solchen Falle den Zigeunern den Übertritt über die Grenze noch nicht verwehren zu können.“

(Steiermärkisches Landesarchiv, Statth., Präs. 8-1934/895, Akt 2341/895)