Wien - ein Schmelztiegel der Roma-Kulturen
Wien war in der Monarchie bekanntlich ein Schmelztiegel verschiedener Gruppen und Kulturen. Zu diesem Schmelztiegel gehörten auch Roma/Romnia und Sinti/Sintizzi. Jedoch war man eher darauf bedacht, fahrenden Roma/Romnia und Sinti/Sintizzi Lagerplätze außerhalb von Wien zuzuweisen und sie vom Stadtzentrum fernzuhalten.
„Gelangte eine Gruppe auf Wiener Stadtgebiet, so wurde sie von der Polizei vertrieben, die stolz darauf war, alljährlich zu melden, dass im eigenen Bezirk „keine Seßhaftmachung von Zigeunern stattgefunden“ hatte.“ (MAYERHOFER)
Diese Verbotstafel stand um 1940 an der Kreuzung Neilreichgasse-Oberlaaerstraße in Inzersdorf (heute 23. Wr. Gemeindebezirk). Die Neilreichgasse war damals der Zufahrtsweg zur Hellerwiese, die ja von vielen Roma/Romnia frequentiert wurde.
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Fotos: Bezirksmuseum Favoriten
Im Lauf der Geschichte entwickelten sich allerdings traditionelle Lagerplätze, die sich damals am Rande von Wien befanden. So wissen wir aufgrund der Lebenserinnerungen der Familie Stojka vom Rastplatz Hellerwiese- Wanko G´stätten im heutigen 10. Bezirk. Darüber hinaus gab es im Norden von Wien (heute Wien-Floridsdorf) Rastplätze, die sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zu Wohngebieten entwickelten, dazu zählt etwa der Bruckhaufen. Auf der anderen Seite der alten Donau befand sich bis in die Mitte der 1960er Jahre der Ringelseeplatz. Während auf der Hellerwiese und am Bruckhaufen Gedenktafeln und Straßenbenennungen auf die Bedeutung der Orte für die Roma/Romnia und Sinti/Sintizzi hinweisen, ist der Ringelseeplatz – an dessen Stelle heute das Floridsdorfer Bad steht - komplett in Vergessenheit geraten.
Im Fall der Hellerwiese ist die Geschichte des Ortes auch sehr eng mit der Vernichtung der Roma/Romnia im Holocaust verknüpft. Die NationalsozialistInnen machten sich die Tatsache, dass viele Roma/Romnia gemeinsam auf einem Ort lebten, zunutze und stellten um die Hellerwiese Spanische Reiter (=Eisenzäune) auf und deportierten 1941 die dort lebenden Roma/Romnia in Konzentrationslager. Auch vom Bruckhaufen ist bekannt, dass ganze Familien deportiert wurden. Nur wenige Überlebende kehrten nach Kriegsende aus den Konzentrationslagern zurück.
Neben den autochthonen Roma-Gruppen, den Burgenland-Roma/-Romnia, den Lovara-Roma/-Romnia und den Sinti/Sintizzi kamen im Zuge der Gastarbeiter-Migration weitere Gruppen, wie die Kalderasch-Roma/-Romnia, die Gurbet-Roma/-Romnia und die Arlije-Roma/-Romnia aus dem damaligen Jugoslawien nach Wien. Seit den 1990er Jahre migrieren auch Roma/Romnia aus den post-kommunistischen (Nachbar-)ländern nach Österreich. Über deren Geschichte und Situation ist derzeit nur wenig bekannt.

